Ob mit oder ohne Krawatte getragen – das Einstecktuch, welches aus den Tasche von Sakko, Jackett oder Blazer blickt, macht ein Outfit erst komplett. Es bietet dem Träger Gelegenheit, durch das Flaten und die Wahl des Stoffs, Individualität und Stilkenntnis zu zeigen.

Einstecktuch-Origami: So faltet der Mann von Welt

Es ist erstaunlich, wie viele Möglichkeiten es gibt ein einfaches Stoffquadrat attraktiv zu falten. Irgendwo zwischen „ganz simpel“ und „ziemlich kompliziert“. Fortgeschrittene finden vielleicht sogar ihre eigene Variante. Beim Einstecktuch ist erlaubt, was gut aussieht.

Als Einstieg stellen wir hier eine Reihe klassischer Faltungen vor. Die Faltanleitungen beziehen sich auf ein Einstecktuch in klassischer Herrentaschentuch-Größe (circa 34 x 34 Zentimeter).

Strukturierte Faltungen: Gerade Kante, eine Spitze, zwei Spitzen

Beginnen wir mit der amerikanischen Faltung (Square oder Presidential Fold) – einer geraden Faltung, die sich sehr gut für Tücher aus stabilem Gewebe wie Leinen und für offizielle, formelle Anlässe eignet.

Amerikanisch falten

Einstecktuch GERT mit amerikanischer Faltung

Bei dieser simplen Faltung kommt es darauf an, dass das gefaltete Viereck exakt so breit wie Ihre Sakkotasche ist und knapp anderthalb Zentimeter länger. Halbieren Sie das Einstecktuch zweimal längs und einmal quer. Zur Längen- und Breitenkorrektur kann das Tuch nun seitlich und am offenen unteren Rand noch einmal so weit umgeschlagen werden wie nötig. Das Ergebnis wird mit der glatten Seite nach außen und der oberen (geschlossenen) Faltkante nach oben so in die Tasche gesteckt, dass über dem Taschenrand ein perfekt waagerechter, etwa anderthalb Zentimeter hoher Stoffstreifen zu sehen ist.

Übrigens: Mancher trägt die amerikanische Faltung auch so, dass die bei einigen Einstecktüchern handgerollten Ränder zu sehen sind. Noch anders wirkt diese quasi auf den Kopf gestellte Variante, wenn die Kanten auseinander gezupft und etwas aufgefächert werden.

Dreiecksfaltung falten

Einstecktuch mit Dreiecksfaltung falten

Häufig sieht man auch die Dreiecksfaltung (One Point Fold). Mit dieser ebenso populären wie eleganten Faltung machen Sie bei allen feierlichen Anlässen eine gute Figur. Sie funktioniert am besten mit einem etwas festeren Einstecktuch aus Baumwolle oder Leinen.

Zunächst vierteln man das Tuch, indem es mittig einmal längs und einmal quer gefaltet wird. Legen Sie das entstandene Quadrat als Raute hin und falten Sie die untere Ecke, die von den Rändern des Einstecktuchs gebildet wird, in Richtung der oberen, geschlossenen Ecke – und zwar so, dass die „offene“ Ecke etwa einen halben Zentimeter unterhalb der oberen zu liegen kommt. Nun schlagen Sie die rechte und die linke Ecke des entstandenen Dreiecks zur Mitte hin um (dabei haben Sie Spielraum, um die Breite des gefalteten Tuchs an die Breite Ihrer Sakkotasche anzupassen), wenden Sie das Resultat und stecken es mit der Spitze nach oben in die Tasche.

Ganz ähnlich funktioniert die doppelte Dreiecks- oder Zweispitzenfaltung (Two Point Fold). Das Einstecktuch wird zunächst wieder geviertelt. Statt nun im nächsten Schritt zwei gegenüberliegende Ecken übereinander zu legen, falten Sie einfach ein wenig „schief“, so dass die beiden Ecken nebeneinander zu liegen kommen. Voilà, Twin Peaks, zwei Spitzen. Es sieht übrigens besser aus, wenn Sie die Spitzen aus den beiden Ecken machen, in denen die freien Tuchränder auf Faltkanten treffen – das hört sich jetzt etwas kompliziert an, aber wenn Sie die doppelte Dreiecksfaltung nachfalten, werden Sie sicher sehen, was gemeint ist. Schlagen Sie nun wieder die verbleibende rechte und linke Ecke so weit wie nötig zur Mitte hin um und positionieren Sie das passend gemachte Tuch mit den beiden Spitzen nach oben in der Tasche.

Noch ein Tipp: Bei den etwas komplizierteren Faltungen werden oft etliche Materialschichten übereinander gelegt. Da kann es eine gute Idee sein, den Teil des gefalteten Einstecktuchs, der in der Sakkotasche verschwindet, noch einmal rasch über zu bügeln. So hält er seine Form besser, wird wieder schön flach und trägt in der Tasche nicht auf. Dabei aber den Teil, der herausschaut, unbedingt aussparen – hier ist sogar bei den strengen, geraden Faltungen ein wenig Volumen unbedingt erwünscht!

Locker nach Gefühl: Die Bauschfaltung

Das Gegenstück zu den bisher erwähnten strukturierten Faltungen, bei denen es auf Präzision ankommt, ist die Bauschfaltung (Puff Fold). Diese legere Faltung eignet sich gut für gemusterte Tücher aus weichen Materialien wie Seide und für zwanglose Anlässe.

Bauschfaltung falten

Einstecktuch CHARIS mit Bauschfaltung

Falten müssen Sie Ihr Einstecktuch für die Bauschfaltung eigentlich gar nicht. Sondern eher gekonnt „arrangieren“: Heben Sie das Tuch mit den Fingerspitzen der einen Hand in der Mitte an und umfassen Sie es weiter unten mit der andern Hand. Schlagen Sie es unten so weit um wie nötig und stecken Sie das Tuch mit dem Puff nach vorn und oben in die Tasche. Dabei bauschen Sie das herausschauende Material ein wenig auf und zupfen es zurecht. Nicht zu viel korrigieren. Bei dieser Faltung darf das Ergebnis ruhig ein bisschen spontan und unsymmetrisch sein.

Auch die Bauschfaltung können Sie mit ebenso schönem Effekt „auf den Kopf stellen“. Lassen Sie den umgeschlagenen Puff in der Tasche verschwinden und präsentieren Sie stattdessen die etwas auseinander gezogenen vier Ecken des Tuches.

Die Möglichkeiten eines Einstecktuches sind mit den beschriebenen Faltungen noch lange nicht erschöpft. Sind die Grundlagen erst einmal gemeistert, können Sie sich an der Kronenfaltung, der Drei-Stufen- oder der Drei-Wellen-Faltung versuchen. Und mit Fächer, Rose, Gebirgspfad, Croissant, Muschel oder gar dem Gürteltier wird es in der Sakkotasche nie eintönig.